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Ostseeküste: TMS-Törns

Mit der "Henriette" in die schwedischen Schären

Mein Freund hat sich verliebt, in "Henriette". Sie ist noch sehr jung, hat hervorragende Maße, und ihre Linien lassen keine Wünsche offen. Aber das Gute ist, ich kann an seinem Glück teilhaben, denn "Henriette" ist eine seriöse Lady, 37 Fuß lang und hervorragend ausgestattet, gebaut in der HANSE WERFT in Greifswald. Wir waren in diesem Jahr schon zwei Mal mit ihr auf See und sind restlos begeistert.

Mit dem Ziel Bornholm bestiegen wir das Schiff, um Urlaub zu machen, uns zu erholen und unvergessliche Eindrücke zu sammeln. Alles ist eingetroffen, und "Henriette" hat uns sicher überallhin gebracht. Da unsere Crew nur aus zwei Personen besteht, Skipper und Mannschaft, mussten wir alle ihre technischen Möglichkeiten in Anspruch nehmen, nämlich Selbstwendefock, Bugstrahlruder und elektrische Winschen. Das machte das Segeln natürlich extrem leichter.

Ablegen in Swinemünde morgens um 5 Uhr bei sternenklarem Himmel. Bei anfangs ruhiger See und Wind aus SW wurde die Fahrt im Laufe des Tages mit zunehmendem Wind und Welle immer schneller. So erreichten wir schon am späten Nachmittag unser erstes Tagesziel, den Hafen von Nexö auf Bornholm. Die Insel ist reichlich ausgestattet mit Jachthäfen, die sich wie eine Kette ringsum anordnen, von einfach bis Topausstattung, und "Hafenkino" ist immer garantiert. Bornholm bietet für jeden Geschmack etwas, Fahrradfahren, Angeln, Museen, Kulturveranstaltungen und natürlich auch landschaftlicheReize. Badestrände und raue Küstenabschnitte wechseln einander ab und machen das Wandern und Radfahren erst interessant. Aber bald zog es uns weiter, denn am Horizont winkten uns die so genannten "Erbseninseln", denen wir unbedingt einen Besuch abstatten wollten. Ca. 12 sm nordöstlich von Bornholm entfernt sind sie relativ schnell zu erreichen.

Es handelt sich um kleine Inseln und Felsen, die seit dem 16.Jh bewohnt sind und eine bewegte Geschichte hinter sich haben.

Festung, Fischerinseln, Deportationsort und heute Touristenziel mit kleinem Jachthafen. Tagsüber laufen ständig Schiffe ein, aus denen sich die Touristen ergießen, die dann die beiden bewohnten Inseln (Christiansö und Frederiksö), bevölkern. Nachmittags, wenn die Tagesgäste die Inseln verlassen haben, ist es angenehm ruhig, und man spürt die Geschichte in allen Winkeln.

Wir bekamen den Tipp, weiterzusegeln bis zu den Schären von Blekingen nördlich der Hanöbucht und schon am nächsten Morgen um 6 Uhr legten wir ab. Hanö war uns ja noch ein Begriff, aber Blekingen? Uns fiel dazu nur ein: "who the f... is blekingen?" Die Schweden selber sagen, dass diese Landschaft eine Miniaturausgabe der eigentlichen schwedischen Schärenlandschaft ist. Diese wunderschöne Region besteht aus ca. 800 Inseln, die länger als 50 Meter sind. Eine sehr aufmerksame Navigation und ein striktes Einhalten des betonnten Schärenfahrwassers sind natürlich Voraussetzung. Auch der Tiefgang des Schiffes lässt leider das Anlegen nicht an allen Inseln zu. Aber es ist für jeden etwas dabei, von Gästehäfen mit Dusche und WC bis hin zu Schwimmbojen und Felshaken.

Noch beeindruckender sind jedoch die Vielfalt der Landschaften und die Schönheit der Schären, die zu jeder Tageszeit, besonders bei Sonneneinstrahlung, in ein anderes Licht getaucht scheinen. Es kann passieren, dass man mitunter ganz allein auf einer einsamen Insel ist und sich plötzlich wie Robinson fühlt, Lagerfeuerromantik inklusive (nach der Ferienzeit in Schweden). Wem die Einsamkeit irgendwann zu viel wird, der kann aber auch einen Stadtbesuch machen, z.B. in Karlskrona oder Karlshamn. Aber, wer sich einmal in die kleinen Inseln verliebt hat, den zieht es nicht in die Städte, es sei denn, um Proviant zu beschaffen oder zu tanken. Ansonsten, nichts wie weg! An dieser Stelle sei auf einen hervorragend ausgestatteten Bootszubehörladen in Vägga fiskehamn, dem Sportboothafen von Karlshamn, hingewiesen. Er ist kombiniert mit der Boots-Tankstelle und einfach der Traum eines jeden Wassersportlers. Der "Käpt'n" der "Henriette" ist jedenfalls wie ein Kind in der Spielzeugabteilung hin und her gerannt und war auf allen Überwachungsmonitoren gleichzeitig zu beobachten.

Doch irgendwann schloss der Laden, und wir fuhren wieder zu den Inseln, von denen wir Tärnö und Tjärö besonders empfehlen möchten. Sie sind groß genug, dass man eine Wanderung unternehmen kann oder um sich sportlich zu betätigen (zu joggen). Es gibt hier sehr schöne Liegeplätze für Naturyankees. Einige der Schären verfügen auch über kleine Geschäfte, in denen man sich mit dem Notwendigsten versorgen kann. Aber Vorsicht, die ohnehin hohen Verbraucherpreise in Schweden ziehen hier noch mal wegen der Abgeschiedenheit an. Wir haben hier die teuersten Brötchen unseres Lebens gegessen, doch sie waren gut. Wer es urwüchsig mag, kann sich von Pilzen und Beeren ernähren, und Feuerstellen an vielen Stellen der Inseln animieren zum Holz sammeln und einmal wieder am Lagerfeuer zu sitzen oder zu grillen. Wer sich nicht so doof beim Angeln anstellt, wie wir, dem gelingt es vielleicht auch einen Ostseelachs zu fangen und seinen Speiseplan dadurch zu bereichern.

Bis zum Jahr 2001 war ein großer Teil Blekingens für Nichtschweden gesperrt, doch inzwischen ist alles für Gäste freigegeben, und ab und zu begegnen einem noch Reste dieser militärischen Vergangenheit, die aber langsam dem Pflanzenwachstum zum Opfer fallen. Gott sei Dank! Auf der traumhaften Insel Tjärö begegneten wir einem mysteriösen Mitglied der schwedischen U-Boot Marine, der sehr geheimnisvoll tat. Er stand plötzlich mit drei Tellern Großgarnelen vor unserem Schiff, lud uns zum Essen ein. Am nächsten Morgen war er spurlos "abgetaucht". Es fiel uns sehr schwer, diese Inselwelt wieder zu verlassen. Um die Rückkehr nicht ganz so schmerzhaft zu gestalten und das Inselleben noch ein wenig auszukosten, statteten wir zum Abschied der Insel Hanö, nach der die gleichnamige Bucht benannt wurde, noch einen Besuch ab. Es gibt hier viel zu entdecken, z.B. einen englischen Militärfriedhof aus dem 19. Jahrhundert, der eine interessante Geschichte aufzuweisen hat. Außerdem steht auf Hanö ein 74,5 m hohes Leuchtfeuer, das stärkste der Ostsee, mit 23,5 sm Reichweite.

Irgendwann muss man sich wieder verabschieden, und so taten wir es auch und traten nach zwei Wochen den Heimweg an, im strömenden Regen ging es von Hanö nach Rönne auf Bornholm. Es brauchte einen ganzen Tag, denn ungünstige Windverhältnisse und das schlechte Wetter meinten es nicht gut mit uns. Aber wir haben es geschafft, und auch die letzte Etappe, von Bornholm nach Swinemünde brachten wir ohne Probleme hinter uns, auch wenn es überhaupt keinen Wind gab, doch auch diese Bilder einer absolut windstillen See haben ihre Reize. Dabei wollten wir nicht zurück, doch in uns steckt der Vorsatz, diese Inselwelt nochmals aufzusuchen, sie zu entdecken und ihre Schönheit zu genießen. Wir möchten uns bei dem Vercharterer der "Henriette", Herrn Bruhn von Haff Charter bedanken. Er hat sie uns anvertraut, und wir haben sie gut behandelt. Sie war uns ein zu Hause, auf dem wir uns sicher und wohl gefühlt haben, bei Sturm und Flaute. Durch die Tage auf ihr haben wir für den Alltag Kraft geschöpft, unvergessliche Eindrücke gesammelt und den Blick für die schönen Dinge, die uns umgeben, geschärft. Uns ist besonders aufgefallen, dass alle Schweden und sogar ihre Haustiere den Hafen, auch bei schönstem Wetter, nur mit Rettungswesten verlassen.

Und noch eine Wahrheit, die wir in Schweden gelernt haben: Vier Fünftel der Welt sind Wasser, der Rest ist nur zum Anlegen da.

Sabine Kröber und Bernd Lissak aus Berlin
berndlissak(bei)t-online.de

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