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Ostseeküste: TMS-Törns

Destination Danzig

Immer wieder sprachen Segelfreunde davon, einen längeren Segelschlag auf der Ostsee in Richtung Osten, insbesondere bis Danzig, zu unternehmen.

Wir entschlossen uns an einem Winterabend im Februar, als diesjähriges Reiseziel die Perle der Ostsee an der Mündung der Weichsel anzusteuern und planten 14 Tage für diesen Segeltörn ein – auf eigenem Kiel und von einer günstigen Ausgangsbasis an der Ostseeküste. Bei unseren Recherchen stießen wir auf die Firma MOLA Yachting GmbH, welche in Breege auf Rügen eine Charterbasis neben einer Wassersportschule unterhält und schon einige Erfahrungen bei der Durchführung und Organisationen von Segelreisen ins Baltikum besitzt.

4 Monate später, an einem Juniwochenende, übernahmen wir eine neue Bavaria 40 Cruiser, um unser Segelabenteuer zu beginnen. Den Anreisetag nutzten wir noch, um unsere Yacht für den ersten, etwas längeren Abschnitt und die bevorstehenden Nächte auf See auszurüsten, und erhielten vom MOLA-Team die erforderlichen Seekarten und Hafenhandbücher für das unbekannte Revier und auch die notwendige elektronische Seekarte für den an Bord vorhanden Kartenplotter.

Dann hieß es am Sonntag Morgen um 06.00 Uhr Leinen los in Breege. Unser Kurs ging nach der Passage von Kap Arkona Richtung Ostnordost und bei gutem südwestlichen Winden kamen wir zügig voran. Unseren ersten Zwischenstop machten wir in Nexö auf Bornholm, um dann am nächsten Vormittag auf den 150 sm langen Schlag nach Danzig zu gehen. Wir erlebten eine bezaubernde Nacht auf See und segelten seit den frühen Morgenstunden entlang der polnischen Ostseküste. Nachdem wir die Halbinsel Hel gerundet hatten, ging es auf Südkurs, mittig zwischen den beiden Verkehrstrennungsgebieten in der Zatokabucht. Das Denkmal der Helden der Westerplatte war schon von weitem auf See erkennbar und wies uns die Richtung auf die Weichselmündung. Nach der unkomplizierten und schnellen Einklarierung motoren wir flußaufwärts, dippen unsere Flagge beim Passieren des Ehrenmals in Gedenken an die Helden der Westerplatte und der Opfer des 2. Weltkrieges und passieren die alten und neuen Werftanlagen von Danzig. Hier ist immer noch reger Werftbetrieb und wir spüren überall, dass wir eine der größten Werftanlagen Europas passieren. Dann wandelt sich das Bild, wir queren die "tote Weichsel" und laufen in die Altstadt Danzigs ein. Hinter einer Flußbiegung öffnet sich die Altstadt mit ihrem unverwechselbaren Flair aus der Hansezeit, den wunderbar erhaltenen Fassaden alter Patrizierhäuser sowie dem weltbekannten Krantor. Hinter dem Marinemuseum ist auf der linken Seite in einem ehemaligen Hafenbecken die Marina und wir können es kaum fassen, als wir  festgemacht haben, blicken wir direkt vom Cockpit auf das Krantor und die weltberühmte Danziger Altstadt. Allein dieser Anblick entschädigt für den Schlafentzug einer durchgesegelten Nacht. Vor Begeisterung vergessen wir fast, uns beim Hafenmeister anzumelden. Natürlich hält es niemanden an Bord und nach 5 min Fußweg sind wir mitten drin im Getümmel. Als Weltkulturerbe ist die Danziger Altstadt natürlich Anziehungspunkt für viele Touristen und damit sehr lebhaft und intensiv. Überall hören wir verschiedenste Sprachen, sehen eine Vielzahl kleine Cafes, Gaststätten und Bars, Verkaufstände und kleine Märkte, Touristengruppen mit Stadtführern und überall natürlich auch Bernstein in allen Fazetten. Den Abend geniessen wir in einem der vielen Lokale und beschließen für den kommenden Tag einen Hafentag, damit jeder seine eigenen Eindrücke in Danzig gewinnen kann.

Vollgeladen mit einer Vielzahl von Eindrücken machen wir uns dann am übernächsten Tag wieder auf den Rückweg, passieren erneut die Westerplatte und nehmen Kurs auf Hel auf der gleichnamigen Halbinsel Hel. Eine neue Marina empfängt uns mit allem Service und der Ort überrascht uns mit seiner Beschaulichkeit, den alten Fischerhäuser, der langen und gemütlichen Einkaufs- und Flaniermeile. Hier scheint im Ort noch ein wenig die Zeit stehengeblieben zu sein und wir genießen dieses beschauliche Ambiente von Hel. Die vorgelagerten Wälder und Strände sind ebenfalls sehenswert und wir nutzen die Zeit noch für ein Bad in der See.

Dann heißt es Abschied nehmen. Unser Kurs führt uns noch einmal vorbei an der Südostspitze von Hel, bevor wir in die offene See segeln. Alle an Bord wissen, dass wir die alte Hansestadt, das imposante Krantor und das Flair der kleinen lebhaften Gassen, das beschauliche Hel und die Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Menschen nicht vergessen werden und in den kommenden Jahren noch einmal einen solchen Segeltörn durchführen werden.

Jörg Jonscher

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