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Urlaub im Landschaftspark Goitzsche

Erlebnisse diesseits und jenseits des Ufers
Der Wind pfeift. Das Wasser kracht auf den Steinwall am Ufer. Henning und ich sitzen auf einer Hollywoodschaukel. Der Wind wiegt uns bei knarrenden Tönen. Es hört sich an wie Sturm an der Küste. Es riecht nach Meer. Obendrein ist es auch noch so kalt, dass wir warme Fleecepullover tragen. Und das im August. Doch von der Ostsee sind wir einige hundert Kilometer entfernt. Wir sitzen im beschaulichen Mühlbeck an der Goitzsche auf eben dieser Schaukel und lassen auch unsere Seelen baumeln. Wir haben gerade in der hinter uns liegenden Trattoria al Faro vorzüglich gespeist. Serviert wurden uns apulische Spezialitäten. Wäre es wärmer, würde uns jetzt das vom Restaurant versprochene mediterrane Flair tatsächlich verzaubern. Informationen: www.al-faro.de. Unseren heute geplanten Segelausflug mit Sunshine Yachting mussten wir wegen zu viel Wind abblasen. Wir beobachten drei Surfer auf der Goitzsche, die nie zu viel Wind haben können.

Die Goitzsche
Gestern sind wir zu unserem Kurzurlaub hier eingetroffen. Die Goitzsche erreicht man nur über den Landweg. Das geflutete Seengebiet aus dem ehemaligen Braunkohlentagebau hat keinen Anschluss an das Wasserwegenetz. Wir haben gegenüber im 1. Buchdorf Deutschlands Mühlbeck- Friedersdorf in einem Gasthof mit Buchladen ein Zimmer mit Frühstück gefunden. Es ist einfach, gepflegt und besticht mit Charme aus früheren Zeiten. Das Buchdorf wurde 1997 gegründet. Mehr als zwei Dutzend Antiquariate sind seitdem hier entstanden, die sich jeweils auf bestimmte Sachgebiete spezialisiert haben. In den Schmöckerstuben riecht es so typisch nach alten Büchern, wie ihre Patina lebendig ist. Henning liebt es, auf Büchermärkten zu stöbern, so dass er auch hier Kurioses findet. Informationen: www.buchdorf.de.
Gestern Nachmittag haben wir uns den Landschaftspark Goitzsche von der Wasserseite aus angeschaut. Wir sind am Hafen vor der Villa am Bernsteinsee auf die MS „Vineta“ zur einer Seenrundfahrt aufgestiegen. Bei Kuchen und Kaffee erzählte uns der Kapitän die Geschichte der Goitzsche. Als am Ufer auf der Halbinsel Pouch Hügel und Kegel auftauchten, sagte er verschmitzt: „Herzlich Willkommen in Ägypten! Bleiben sie in Sachsen-Anhalt und geben sie ihr Urlaubsgeld bei uns aus. Dafür bieten wir Ihnen hier die ganze Welt.“ Bei denen für die ehemalige Bergbaulandschaft typischen Abraumkegeln und Hügeln handelt es sich um Objekte der Landschaftskunst Goitzsche. Eigner der „MS Vineta“ ist Vetter Touristik. Die Reiseexperten haben so manches exotische Gefährt für individuelle Erlebnistouren im Angebot: Zum Beispiel einen liebevoll restaurierten Mercedes Benz Bus aus dem Jahr 1961 oder den Ikarus Protokoll-Bus der DDR-Regierung in Originalausstattung, der von 1984 bis 1989 in Sondermissionen unterwegs war.

Das Wasserzentrum Bitterfeld
Vor unserer Schiffstour besuchten wir das Wasserzentrum Bitterfeld, das ehemalige Wasserwerk, welches nach fast 100- jährigem Betrieb 1992 stillgelegt wurde. Heute präsentiert sich das Gebäudeensemble als aktives Mitmach-Industriemuseum sowie als attraktives Ausstellungs- und Veranstaltungszentrum. In der Ausstellung „H2O und Co“ faszinieren auch uns die Experimente rund ums Wasser, die immer wieder Menschen von 6 bis 66 zum Spielen verleiten. Auf Fragen wie „Wer hat das Tote Meer umgebracht?“, „Warum frieren Seen am Grund nicht zu?“ oder „Wie funktioniert ein Wasserwerk?“ gibt es Antworten. Zudem ist die Geschichte der Goitzsche bis in die Gegenwart nacherlebbar. Zwei ehemalige Wasserspeicher dienen als Veranstaltungsräume. Einer davon, der Klangspeicher, wurde in seinem ursprünglichen Zustand erhalten. Aufgrund seiner besondern Akustik wird er für Konzerte und Klanginstallationen genutzt. Programm: www.ipg-bitterfeld.de.

Die Eisenstadt Ferropolis
Heute waren wir mit dem Auto in der Stadt aus Eisen: in Ferropolis. Sie liegt auf einer Halbinsel in der Nähe von Gräfenhainichen, umgeben vom Gremminer See, der auch durch Flutung eines Tagebaus entstand. Ferropolis ist ein lebendiges Museum voller Kolosse: Fünf gigantische Eimerketten-, Raupensäulenschwenk- und Schaufelradbagger mit so fantasievollen Namen wie Mosquito, Medusa oder Mad Max beeindrucken uns mit ihrer schroffen Schönheit in ihrer geballten Einzigartigkeit. Gemini, ein zweiteiliger Absetzer, ist für Besucher begehbar. Das ist eine große Mutprobe für mich, denn ich bin nicht schwindelfrei. Mit dem Beistand von Henning lasse ich mich auf das Experiment ein, überlebe es und werde dafür gar mit einem faszinierenden Ausblick belohnt. Ferropolis hat auch ein interessantes Bergbaumuseum, einen kleinen Bootssteg und im Sommer so manches gigantische Konzert. Bis zu 25.000 Menschen finden in der Arena zwischen den Baggern Platz. Herbert Grönemeyer, Die Toten Hosen oder Mikis
Theodorakis haben hier schon Konzerte gegeben.

Attraktionen in Pouch und Bitterfeld-Wolfen
Auf dem Rückweg nach Mühlbeck biegen wir in Pouch von der Bundesstraße 100 ab und folgen den Schildern ins Künstler Café. Hier ist alles selbst gemacht: Vom künstlerischen Interieur bis zum selbstgebackenem Kuchen. Das Haus ist mein Geheimtipp. Wer übrigens auf der Mulde mit einem kleinen Boot unterwegs ist, findet in der Nähe des Cafés an der Uferwiese Möglichkeiten anzulanden. Der Wind pfeift. Auch noch am nächsten Tag und stärker als je zuvor. So müssen wir unsere Segelpartie auf ein anderes Mal verschieben. Auch eine Fahrt mit dem Floß von Arona Maritim fällt aus. Dennoch ist Urlaub an der Goitzsche alles andere als langweilig. So treffen wir uns mit Martina Brück von Goitzsche. Tours. Sie besteigt mit uns den 81 Meter hohen Bitterfelder Bogen im Ortsteil Holzweißig. Anschließend führt sie uns über die Halbinsel Pouch und weiß dabei viel Interessantes über die Landschaftskunst zu berichten. Übernachtungen bietet zum Beispiel die EBV Goitzsche in ihrer neuen Ferienhaussiedlung an der Bernsteinpromenade in Mühlbeck an. Zudem hilft die Touristinformation Bitterfeld-Wolfen weiter. Das schönste Haus der Region ist die Villa am Bernsteinsee mit Hotelzimmern und Appartements. Informationen:
Tel. 03493 / 36 11 20, www.bitterfeld-wolfen.de. Die 2007 durch den Tornado „Kyrill“ zerstörte Seebrücke auf der Goitzsche ist seit 2009 wieder aufgebaut, so dass der im See stehende 26 Meter hohe Pegelturm wieder besucht werden kann. Nach 274 Stufen ist man auf der Aussichtsplattform. 2010 wird in unmittelbarer Nachbarschaft zur Marina Bernsteinsee das Restaurant Hafen Resort eröffnen. Informationen: www.hafenresort.de.
Törnplanung im Internet: tour.aquasirius.de

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