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Auf dem Finowkanal durch den märkischen Urwald
Das Wasser um die Mangroven im Urwald von Costa Rica schillert betörend grün. Im Wasser des Finowkanals spiegelt sich die Welt: Leuchtend bunt, gleichwohl urwüchsig, imposant, berauschend. Es ist wie im Urwald. Für diese Erlebnisse muss ich nicht ins Flugzeug steigen und um die halbe Welt fliegen. Nein. Ich buche bei Yacht Charter Heinzig die Finowkanal- Tour, steige auf eines der schönen Schiffe und finde mich auch im Urwald wieder. Dieser liegt mitten in Brandenburg: Am Finowkanal.
Flottentörns mit Yacht Charter Heinzig
Die Finowkanal-Tour ist ein Flottentörn. Zwölf Schiffe sind dieses Mal dabei, entsprechend ihrer Größe zählen sie zwei bis sechs Beatzungsmitglieder. Die Flottentörns sind professionell geführte Bootsreisen, die Yacht Charter Heinzig seit zwei Jahren im Frühjahr und Herbst anbietet. „Das sind ideale Zeiten für Flottentörns“, sagen ihre Erfinder Karin und Wolfgang Heinzig. „Die Wasserstraßen sind frei, Wartezeiten vor Schleusen sind kalkulierbar und Liegeplätze in Häfen gibt es problemlos. An attraktiven Angeboten für Landausflüge mangelt es auch in der Nebensaison nicht.“ So wundert es nicht, dass die Fangemeinde der Flottentörns immer größer wird. Vor dem gemeinsamen Start ab der Charterbasis Töplitz gibt es eine Begrüßungsrunde in der Hafenklause des Yachthafens Ringel. „Wir wollen neue Reviere kennen lernen. Die Strecke und das Reiseprogramm gefallen uns. In einer Gruppe Gleichgesinnter macht Urlaub viel mehr Spaß.“, sind nur einige Motive an solch einem Abenteuer teilzunehmen. Und das ist es allemal, denn eine exakte Vorbereitung und gute Organisation sind das eine. Das andere ist der tatsächliche Ablauf, abhängig von der Toleranz jedes Einzelnen, der Harmonie der Gruppe, der Stimmung durch das Wetter, den Bedingungen auf den Wasserstraßen und vom Gelingen der Landausflüge.
Fahrstuhlfahrt im Schiffshebewerk Niederfinow
Etwas mehr als drei Tage sind wir unterwegs, bis wir den Finowkanal erreichen. Das bis dahin beeindruckendste Erlebnis ist die Passage durch das Schiffshebewerk Niederfinow. Mehr als eine Stunde Ewigkeit müssen wir warten, bis zwölf Motoryachten und ein Fahrgastschiff in den 85 Meter langen und 12 Meter breiten Trog einfahren können. Die Faszination, die dieser eiserne Koloss in seiner Erscheinung und Wirkungsweise auf uns ausübt, ist nur ein kurzes Vergnügen. Ganze fünf Minuten braucht der Riesenfahrstuhl, um uns 36 Meter in die Tiefe auf das untere Niveau des Oder-Havel-Kanals zu befördern.
Station in der Marina Oderberg
Alsbald wechselt das schnurgerade Ufer in eine natur belassene Hügellandschaft. Auch wenn in Oderberg der Himmel noch fast in den Kanal zu fallen droht, ändert sich das bis zu unserer Ankunft am Tagesziel. Die Abendsonne schiebt die Wolken beiseite. In der Marina Oderberg werden wir vom Hafenchef André Balkow zuerst in seine Kamera und dann in seinen Hafen aufgenommen. Die Flottentörngemeinde trifft sich zu einem gemütlichen Abendessen auf der Marinaterrasse. André Balkow serviert die von ihm eigens für uns geräucherten frischen Forellen. Später zeigt er uns im Heimkino des Restaurants unsere Ankunft und der Film „Wenn Schiffe Fahrstuhl fahren“ stimmt uns auf den Finowkanal ein. Zwölf historische Schleusen werden wir passieren, um die bergab gefahrenen 36 Meter wieder wett zu machen.
Schleusenlatein auf dem Finowkanal Wolfgang Heinzig scheint für den Höhepunkt unseres Flottentörns nichts dem Zufall überlassen zu haben. In Oderberg weckt uns die Sonne. Im Laufe dieses Tages schaltet das Wetter von Frühling auf Sommer um. Dieser weicht uns bis zum Ende unserer Tour nicht mehr von der Seite. Als wir in den Finowkanal einlaufen, erwartet uns alsbald die erste Schleuse Liepe. Für die Schleusungen gibt es klare Regeln: Jedes Schiff hat seine Position. Das so genannte Finowmaß wird zum „Heinzigmaß“, denn in zwei Sechser-Packs schleusen wir uns durch die Hebewerke mit den versetzten Häuptern. Schotten und Tore werden bis heute noch per Hand gekurbelt. Das übernehmen Schleusenwärter. Sie sind vom 1. Mai bis zum 30. September täglich von 9 bis 17 Uhr im Einsatz. Da sie mehrere Schleusen nacheinander bedienen, geht es auf dem Finowkanal gemächlich zu. In den Schleusenbereichen gibt es keine Signalanlagen. Die Anweisungen erfolgen auf Zuruf. Die Hinweise des Schleusenpersonals sind zu beachten, vor allem muss in den Schleusen genügend Abstand zum Schwenkbereich der Tore eingehalten werden.
Neue Marina Eisvogel am Finowkanal
Wir wecken den Finowkanal aus seinem Winterschlaf. Unsere Flotte wird überall neugierig beäugt. So viele Schiffe auf einmal sind eine kleine Attraktion. In Eberswalde am Rastplatz Finowkanal-Park liegen zwölf Yachten in einem finowkanalbreiten Paket und blockieren damit die Wasserstraße. Doch die Saison beginnt erst am nächsten Tag. An diesem 1. Mai eröffnen auch Antje und Martin Schippel ihre neue Marina Eisvogel am Kilometer 65,3. Wir sind die ersten Gäste und feiern die Eröffnung am Abend gebührend auf der Schippelschute mit Buffet und Livemusik von und mit Familie Schippel. Außerdem werden Finowkanal-Patente an alle Crews verliehen. Die Schippelschute ist ein urgemütliches Holzfloß, dass am Tag über den Finowkanal schippelt und dabei alte Flößertraditionen lebendig werden lässt. Es werden Flößermahlzeiten, der Schischu-Flößer-Kaffee sowie am letzten Samstag im Monat (von Mai
bis August) der Flößerschwof geboten.
Urwald am Finowkanal
Hinter der Marina Eisvogel beginnt der schönste Teil des Finowkanals. Das vielstimmige Vogelgezwitscher erinnert mich an die gigantische Geräuschkulisse im Urwald Costa Ricas. Baumwurzeln ragen am Ufer aus dem Wasser wie Mangroven. Der Wald ist wild. Der Himmel ist himmelblau. Das Maigrün leuchtet. Die Sonne spielt in den Baumkronen. Ein leichter Wind schickt Licht und Schatten auf den Wasserspiegel. In ihm sehe ich einen Urwald. Den märkischen. In den Schleusen haben wir Zeit uns besser kennen zu lernen. Als wir in der zwölften und letzten Finowkanalschleuse Ruhlsdorf nach oben fahren, sprudelt es spontan aus Christine von der „Primavera“ heraus: „Ich hoffe, diese Woche geht nicht zu Ende!“ Es passt einfach alles perfekt zusammen.
Resümee in Töplitz
Nach der Ankunft im Yachthafen Ringel sitzt die nun auf Höhen und Tiefen eingeschworene Flottentörngemeinde ein letztes Mal zusammen. „Es war eine super Entscheidung, dabei gewesen zu sein“, sagt Dieter aus Bremen. Ingeborg und Hans Peter, die zum ersten Mal einen Bootsurlaub machten, bedanken sich bei der Gruppe für die herzliche Aufnahme und die gegenseitige Unterstützung. Vor allem Heide half mit Freundlichkeit, Geduld und Spucke beim Bootshandling. „Die „Bon Jour“ ist ein sehr schönes Schiff“, sagt Albert. Und Willy bringt es schließlich auf den Punkt: „Nette Leute! Klasse Wetter! Super Firma!“ Familie Heinzig und viele fleißige Helfer haben einen Superjob geleistet.
Logbuch der Finowkanal-Tour
1. Tag: Von Töplitz nach Potsdam 15,9 Kilometer über die Potsdamer Havel
• vor der Abfahrt: Begrüßungsbrunch in der Hafenklause Ringel
• Liegeplatz: Marina Am Tiefen See
• Landgang: Stadt- und Schlösserrundfahrt „Alter Fritz“ mit drei geführten Spaziergängen durch Potsdam, Einkehr im Bier & Wein Etablissement „Hohle Birne“ im Holländischen Viertel
2. Tag: Von Potsdam nach Oranienburg 49,3 Kilometer über die Potsdamer Havel, Untere Havel-Wasserstraße und Havel-Oder-Wasserstraße
• Schleusen: Spandau
• Liegeplätze: Bootshaus & Eiscafé Dietrich, Sportgemeinschaft „Havel“ e.V.
• Landgang: Besuch der Landesgartenschau Oranienburg, Einkehr im Restaurant & Café „Carollis“ mit Oranienbuffet und Otto-Reuter-Programm mit dem Volksschauspieler Jürgen Hilbrecht
3. Tag: Von Oranienburg nach Oderberg 64 Kilometer über die Havel Oder-Wasserstraße
• Schleusen: Lehnitz, Schiffshebewerk Niederfinow
• Liegeplatz: Marina Oderberg
• Landgang: gemütlicher Abend in der Marina Oderberg mit Filmvorführung
4. Tag: Von Oderberg nach Eberswalde 20 Kilometer über die Havel-Oder-Wasserstraße und den Finowkanal
• Schleusen: Liepe, Klappbrücke Niederfinow, Stecher, Ragöse, Eberswalde
• Liegeplatz: Finowkanal-Park Eberswalde (km 77,25)
• Landgang: geführter Altstadtrundgang mit Besichtigung und Turmbesteigung der Maria-Magdalenen-Kirche, individueller Stadtbummel
5. Tag: Von Eberswalde nach Finowfurt 11 Kilometer über den Finowkanal
• Schleusen: Kupferhammer, Drahthammer, Hubbrücke Eisenspalterei, Wolfswinkel, Heegermühle, Schöpfurth
• Liegeplatz: Marina Eisvogel
• Landgang: gemütlicher Abend auf der „Schippelschute“ mit Buffet und Musik
6. Tag: Von Finowfurt nach Oranienburg 30 Kilometer über den Finowkanal und die Havel-Oder-Wasserstraße
• Schleusen: Grafenbrück, Leesenbrück, Ruhlsdorf, Lehnitz
• Liegeplätze: Bootshaus & Eiscafé Dietrich, Sportgemeinschaft „Havel“ e.V.
• Landgang: Yacht Charter Heinzig-Skippermeisterschaften im Kegeln mit Buffet im TURM Erlebnis City Oranienburg
7. Tag: Von Oranienburg nach Töplitz 57 Kilometer über die Havel-Oder-Wasserstraße, den Havelkanal und die Potsdamer Havel
• Schleusen: Schönwalde
• Liegeplatz: Yachthafen Ringel
• Landgang: rein Schiff machen, tanken
• nach der Ankunft: Abschiedskaffee in der Hafenklause Ringel
